Studie zu den Energiepreissteigerungen zeigt: Sie führen zu einer Umverteilung von unten nach oben

21. Dezember 2024 Von: Jens Berger in Politik, Wirtschaft

(Red.) Viele Leser und Leserinnen von Globalbridge.ch kennen natürlich auch die Plattform «NachDenkSeiten», wenigstens in Deutschland, nicht unbedingt aber in der Schweiz und in Österreich. Nicht zuletzt aber die dortigen Analysen von Jens Berger sind nicht nur einfach interessant, sondern leisten einen substanziellen Erkenntnisbeitrag zu einem der Hauptprobleme unserer Zeit: Die Kluft zwischen Arm und Reich wird nicht, was sinnvoll und wünschbar wäre, kleiner, sondern spürbar grösser! Wir übernehmen deshalb wieder einmal einen ganzen Beitrag von Jens Berger, der seinerseits auf einer Studie aus den USA basiert. (cm)

Steigende Energiepreise haben 2022 weltweit zu einer deutlichen Inflation geführt. Darunter leiden bis heute vor allem die Haushalte der Unter- und Mittelschicht, geben sie doch in Relation zum Haushaltseinkommen besonders viel für Güter und Dienstleistungen aus, die sich in den letzten beiden Jahren deutlich verteuert haben. Eine US-Studie hat sich die Finanzströme nun genauer angeschaut und neben den Verlierern auch die Gewinner des Preissprungs bei den fossilen Energieträgern Öl und Gas angeschaut – es sind die USA und hier vor allem die Reichen und Superreichen. So ging mehr als die Hälfte der Gewinne durch die Preissteigerungen an das oberste Prozent der Vermögensskala, während die untere Hälfte der US-Haushalt gerade mal ein einziges Prozent der Gewinne abbekam, das jedoch von den Preissteigerungen mehr als aufgefressen wurde. Die Armen werden ärmer, die Reichen reicher.

„Ihr Geld ist nicht weg, mein Freund, es hat nur ein anderer“ – dieses Zitat, das auf den deutschen Banker Amschel Meyer Rothschild zurückgeht, ist bis heute eine der Grundlagen, will man das Wirtschafts- und Finanzsystem verstehen. Wenn der Verbraucher heute für die Strom- und Gasrechnung, an der Zapfsäule oder im Supermarkt deutlich mehr als vor drei Jahren bezahlt, ist dieses Geld auch nicht weg. Es fließt ins Wirtschaftssystem. Dort gibt es sicher zahlreiche Unternehmen, die einfach nur ihre eigenen gestiegenen Beschaffungspreise an den Kunden weiterreichen; doch am Ende der Kette fließt das Geld stets an irgendein Unternehmen, das in letzter Instanz die Preise erhöht hat. Dafür gibt es natürlich viele mögliche Gründe. Muss ein Unternehmen beispielsweise höhere Löhne zahlen und reicht diese Kosten weiter, so profitieren am Ende die Arbeitnehmer dieses Unternehmens von den Preissteigerungen. Wäre dies der einzige Grund, könnte man dies sogar im Hinblick auf die Vermögensverteilung neutral bewerten – schließlich bleibt das Geld zu großen Teilen innerhalb der „Arbeitnehmerschicht“.

Schaut man sich die jüngsten Preissprünge an, deren Ursache stark gestiegene Energiepreise sind, sieht man jedoch schnell, dass diese Erklärung hier nicht greift. Öl und Gas sind ja nicht teurer geworden, weil irgendwelche Arbeiter in der Energiebranche gute Lohnabschlüsse erzielen konnten. Nein, die Ursache für den Preissprung war vielmehr die Knappheit durch einen Lieferengpass auf den Transportrouten – ausgelöst durch die Russlandsanktionen des Westens. Vor allem Unternehmen aus der Öl- und Gasbranche konnten so ihre Einnahmen in einem historischen Maße steigern, ohne dass auf der anderen Seite die Kosten merklich stiegen. Dass auch Spekulanten ihren Teil zur Preissteigerung beitrugen, versteht sich im modernen Finanzkapitalismus von selbst und muss hier eigentlich nicht extra erwähnt werden.

Das Geld ist nicht weg, es kam auf der anderen Seite als Gewinn dieser Firmen zum Vorschein. Doch diese Umverteilung war alles andere als neutral in Hinblick auf die Vermögensverteilung. Die Verlierer waren und sind – die Preise sind ja immer noch deutlich höher als vor Beginn der Energiepreiskrise – vor allem die unteren und mittleren Schichten, da sie in Relation zu ihrem Haushaltseinkommen deutlich mehr für Energie und Lebensmittel ausgeben, deren Preis durch die Energiepreissteigerungen indirekt gestiegen sind. Die Gewinner waren und sind die reichen und superreichen Haushalte, da ihnen die Unternehmen gehören, die Rekordgewinne erzielen konnten und können, und diese Gewinne entweder als Dividenden auszahlen oder zur Steigerung des Unternehmenswertes investiert oder schlicht gebunkert haben. Auch wenn dieser Zusammenhang eigentlich offensichtlich sein sollte, so ist er erstaunlicherweise weder in der medialen Berichterstattung noch in der politischen Debatte ein großes Thema. Eine vor wenigen Tagen veröffentlichte Studie könnte dies jedoch ändern.

Ein Team rund um die deutsche Ökonomin Isabella Weber von der University of Massachusetts in Amherst hat sich mit großem Aufwand die Firmenabschlüsse von Unternehmen aus der Öl- und Gasbranche angeschaut und diese Daten und die damit verbundenen Finanzströme über ein globales Netzwerk mit fast 400.000 Querverbindungen auf die Personengruppen zugeordnet, die am Ende der Kette stehen, denen also die Unternehmen bzw. die Anteile, meist Aktien, dieser Unternehmen gehören und die entweder über Dividenden oder Wertsteigerungen dieser Unternehmen von den Preissteigerungen profitierten. Die Ergebnisse sind gleich in zweierlei Hinsicht interessant.

Großer Gewinner sind die USA….

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