Antworten Sie ruhig ganz ehrlich. Krieg führen zu wollen ist ja keine Schande, sondern steht gleichwertig neben dem Wunsch, in Frieden zu leben. Beides hat seine Nachteile, beides hat seine Vorteile. Von daher wäre die Frage, ob Krieg geführt werden soll, die klassische Frage für eine Volksabstimmung überhaupt.
Fragt man aber das Volk, dann droht die Gefahr von Zufallsmehrheiten. Und nichts ist schlimmer als das. Zu Recht werden Zufallsmehrheiten von wahren Demokraten gefürchtet. Da ist die Furcht des Teufels vor dem Weihwasser ein Dreck dagegen. Besser ist es da schon, das Parlament zu befragen. Da ist man an der richtigen Adresse. Deswegen heißt die Bundeswehr ja auch Parlamentsarmee – und nicht Volksarmee. Außerdem genügt ein einziger Blick auf das Parlament, das da – zerfallen in Fraktionen – im Reichstag sitzt, um zu wissen, wie die Abstimmung ausgehen wird. Und wenn man noch dazu die Wahl zwischen zwei Parlamenten hat, von denen das eine mit höherer Wahrscheinlichkeit für den Krieg und seine Finanzierung stimmen wird als das andere, dann ist die Situation doch komfortabler als man es sich in seinen schönsten Träumen ausmalen kann.
Haben Sie auf die Frage in der Überschrift geantwortet, Sie wollen lieber keinen Krieg gegen Russland?
Das sollten Sie nun dringend überdenken. Das könnte Ihnen erhebliche Unannehmlichkeiten bringen. Wo eine Regierung mit einer Parlamentsmehrheit – und sei es nur die des schon abgewählten Parlaments – für baldigste Kriegstüchtigkeit und maximale Aufrüstung Sorge trägt, kann Kritik daran, oder gar ein widerstrebendes Gebaren, nicht geduldet werden. Das wäre ja nicht nur Delegitimierung von Repräsentanten des Staates, es wäre auch – und das wiegt noch schwerer – das Delikt der Wehrkraftzersetzung.
Also, überlegen Sie es sich gut, ob Sie nicht doch auch für den Krieg sein wollen.
mehr dazu: https://egon-w-kreutzer.de/haetten-sie-gerne-krieg-mit-russland




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