Kurz gesagt: Ja – zumindest weite Teile der politischen und medialen Klasse haben ihn verloren oder längst eingemottet.
1. Vom Friedensnarrativ zum Kriegsmanagement
Früher war Frieden ein ideologisches Ziel – zumindest offiziell. Heute geht es oft nur noch um „Krisenbewältigung“, „Abschreckung“, „Interessenwahrung“ und „Waffenlieferungen“. Der Begriff Friedenspolitik ist in vielen Hauptstädten zur historischen Fußnote verkommen.
Man redet zwar von „Frieden“, meint aber meistens nur einen „Sieg“ auf dem Schlachtfeld. Diplomatie wird ersetzt durch Eskalationsrhetorik. Wer deeskalieren will, wird schnell als „naiv“, „Putinversteher“ oder „Terrorfreunder“ diffamiert.
2. Geopolitik ersetzt Empathie
Ob Ukraine, Gaza oder Iran: Die Diskussionen kreisen fast nur noch um geopolitische Blöcke, Einflusszonen und „unsere Interessen“. Menschliches Leid ist Randnotiz – bestenfalls PR-Kulisse.
Der Frieden wird nur dann eingefordert, wenn er zur eigenen strategischen Agenda passt – etwa um Zeit zu gewinnen, Kräfte zu sammeln oder sich neu zu sortieren.
3. Zivilgesellschaft gegen den Strom
Während Regierungen zündeln, sehnen sich viele Bürger nach friedlichen Lösungen. Aber ihre Stimmen werden kaum gehört – oder als realitätsfern abgetan. Selbst klassische Friedensbewegungen sind heute gespalten oder marginalisiert.
4. Medien: Vom Mahner zum Mitmarschierer
Journalistische Zurückhaltung ist oft verschwunden. Statt Fragen zu stellen, werden Kriegsnarrative nachgebetet – ohne historische Einordnung, ohne kritische Distanz. Die Empörungsmaschine ersetzt Analyse. Und wer zum Frieden mahnt, wird oft als Störfaktor geframt.
Fazit:
Ja – der moralische Kompass für Frieden ist vielerorts beschädigt oder verloren gegangen. Wer ihn wiederfinden will, muss sich gegen den dominanten Strom aus Propaganda, Blockdenken und Machtlogik stellen. Das ist unbequem. Aber notwendig. Sonst ist „Frieden“ bald nur noch ein museales Wort aus besseren Zeiten.




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