Beim 10-Jahre-Jubiläum von „Stopp Ramstein“ wurde wie unter dem Brennglas sichtbar, dass die Friedensbewegung angeschlagen ist — obwohl sie angesichts der derzeitigen Eskalationsspirale einen Höhenflug erleben müsste.
„Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin … zur Friedensbewegung.“ Mit diesem leicht abgeänderten Slogan der Friedensbewegung lässt sich der gegenwärtige Zustand derselbigen sehr trefflich umschreiben. Die Kriegseskalationskaskaden, vor denen jahrelang gewarnt wurde, haben sich nun hinlänglich verwirklicht. Doch statt Aufwind gibt es lediglich Flaute unter den Flügeln der Friedenstaube. Das ist die deprimierende Zustandsbeschreibung dessen, was von der Friedensbewegung von 2014 und der 1980er Jahre übrig geblieben ist. Alles andere wäre Schönfärberei. Das diesjährige Protestwochenende von „Stopp Ramstein“ – welches zugleich das 10-Jahre-Jubiläum darstellte – war hierfür der ideale Gradmesser. So engagiert und aufopferungsvoll die Organisatoren das Friedenscamp und den Protest in Kaiserslautern ermöglichten, so schwach wurde beides besucht. Wo klaffen in der Bewegung die Löcher, aus denen die Luft entwichen ist? Ein Vor-Ort-Bericht.
von Nicolas Riedl
„Im Rahmen der Jubiläumsansprache wurde unter anderem eine verstorbene Mitstreiterin beklagt. Ohne Zynismus, sondern ganz nüchtern kann man an dieser Stelle das demographische Problem erkennen: Die Bewegung ist dabei, auf lange Sicht auszusterben. Menschen unter 50 waren eine Minderheit, Jugendliche und Menschen in ihren 20ern musste man schon mit der Lupe suchen. Zugleich fehlen derzeitig Anreize und Angebote für Menschen unter 25. Das ist den Veranstaltern nicht als Vorwurf zu machen. TikTok zeigt, dass zahlreiche junge Menschen bezüglich des drohenden – oder gar schon ausgebrochenen? – Dritten Weltkrieges eine ganz eigene Bewältigungsstrategie im Galgenhumor gefunden haben, der sich in zynischen Memes ausdrückt. Die Möglichkeit, sich in der analogen Welt zu engagieren oder wenigstens ein Zeichen zu setzen, scheint als Option in den jungen Köpfen nicht mehr existent zu sein. Zumindest waren kaum Menschen der Generation Z anwesend.
Ein weiterer, nicht zu unterschätzender „Pullfaktor“ sind Publikumsmagnete. Bleiben die aus, bleiben viele fern.
Die Mobilisierung krankt offenkundig immer noch am Personenkult, daran, dass es manchen Menschen wohl mehr darum geht, „wer spricht“, und weniger um die Sache selbst. Selbstredend rückt damit jedes Veränderungspotenzial in weite Ferne, wenn ein nicht unerheblicher Anteil der Friedensbestrebten die Erreichung des Friedens auf die Heldentat bestimmter Idole projizieren…
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