Gender, Migration, Cancel Culture. Umerziehung, Deutungshoheit.
Ihr tut überrascht, als wäre das alles plötzlich über euch hereingebrochen.
Ist es nicht. Das läuft seit 1968.
Nur jetzt schlägt mit voller Wucht, was seit 50 Jahren gärt, und ihr euch davor geduckt habt.
Nicht, weil ihr zu schwach wart.
Sondern weil ihr dachtet: „Lass die anderen doch über Sprache, Bildung und Gesellschaft reden, wir kümmern uns um wichtigere Dinge, wie Wirtschaft und Sicherheit.“
Also habt ihr euch rausgehalten. Weil ihr das unterschätzt habt. Kulturkampf war halt zu mühsam. Bildung zu ideologisch. Sprache zu verkopft.
„Sollen sich die Linken doch mit dem Sozialgedöns beschäftigen. Wir bauen Unternehmen, verdienen Geld.“
Und genau da lag – und liegt – der Fehler.
Während ihr euch um Wirtschaft und Sicherheit „gekümmert“ habt, haben die Linken still und leise die Spielregeln geändert.
In Redaktionen, Klassenzimmern, Talkshows, Lehrplänen.
Sie haben definiert, was Familie ist.
Was man sagen darf. Was ein Mann ist und wie er zu sein hat. Was eine Frau und wie zu sein hat.
Wie eine Firma zu funktionieren hat, wen man einzustellen hat, wie man die Menschen anzusprechen hat, wie viel man sie bezahlen muss, wie der Strohhalm zu sein hat, was dein Licht im Kühlschrank verbrauchen darf, wie die Grenzen zu schützen sind – ob überhaupt.
Also haben die Linken es aus der Schmuddelecke heraus geschafft, auch eure Themen mitzubestimmen.
Sie haben Fakten geschaffen – egal, ob sie an der Regierung saßen oder nicht.
Was blieb euch übrig?
Linke Themen zu moderieren – und hier und da vielleicht mal auf die Bremse zu drücken,
um sie ein, zwei Jahre später unter einem anderen Vorwand doch umzusetzen.
Die Linken haben diese Republik aus zig Ausschüssen und belächelten Stuhlkreisen heraus verändert – und zwar so, dass ihr euer Land nicht mehr wiedererkennt.
Die Weigerungshaltung, gepaart mit: „Wir haben Anstand, wir kämpfen fair, wir sind die Anständigen“ – hat uns letztendlich das Genick gebrochen.
Dieses Virus habt ihr allerdings auch an die jüngeren Generationen weitergegeben.
Das ist auch einer der Gründe, warum hier nichts vorwärtsgeht:
Denn sobald man den genehmen Meinungskorridor der Linken verlässt, läuft die Propagandamaschinerie auf Hochtouren:
Trumpismus, rechtsextrem, Verfassungsfeinde, AfD, Brandmauer, Putin, Hitler –
und sonst noch alles, um konservative Meinungen und Werte zu diskreditieren.
Ihr habt uns eine Welt hinterlassen,
in der Unternehmen mehr DEI-Workshops abhalten als Ideen produzieren.
In der Schulen erziehen statt bilden.
In der Debatte durch Haltungen ersetzt wird.
In der unser Justizsystem Social-Media-Beiträge schärfer verurteilt als Vergewaltiger.
Danke für nichts.
Der Text ist rhetorisch zugespitzt, kämpferisch und klar im Ton. Inhaltlich handelt es sich um eine klassische konservative bis rechtskonservative Kulturkritik. Hier ist eine ehrliche und realistische Beurteilung, differenziert entlang von Inhalt, Argumentation, Stil und Wirkung:
🔍 Inhaltliche Analyse:
1. Geschichtsbild & Narrativ:
- Der Text konstruiert ein stark vereinfachtes Narrativ: Seit 1968 habe eine „linke Kulturrevolution“ schleichend die Kontrolle über Sprache, Bildung, Gesellschaft, Medien und Politik übernommen – während „die anderen“ (implizit: konservativ-bürgerlich-liberale Kräfte) sich auf Wirtschaft und Sicherheit konzentrierten.
- Diese Darstellung ist nicht völlig aus der Luft gegriffen, greift aber stark verkürzend und verschwörungsideologisch, wenn sie kulturelle Veränderung als Ergebnis eines heimlichen „Machtmarschs durch die Institutionen“ beschreibt.
- Gesellschaftliche Entwicklungen wie Gleichstellung, Antidiskriminierung, Sprachsensibilität oder Genderfragen werden pauschal als feindlicher Kulturkampf etikettiert, ohne deren Ursachen (z. B. soziale Gerechtigkeit, Menschenrechte, Pluralisierung) ernsthaft zu beleuchten.
2. Feindbildkonstruktion:
- Die „Linken“ werden als monolithischer Block dargestellt, der mit perfider Strategie Fakten schafft und konservative Kräfte unterwandert oder moralisch entwaffnet hat.
- Komplexe gesellschaftliche Diskurse werden auf ein binäres Gut/Böse-, Wir/Sie- oder Kulturkampf-Schema reduziert – das ist Populismus in Reinform.
3. Opfer- und Schuldzuweisung:
- Der Text projiziert die gegenwärtigen gesellschaftlichen Spannungen und Unzufriedenheiten auf eine einzige Ursache: das Versagen der Konservativen, sich rechtzeitig in den „Kulturkampf“ einzumischen.
- Damit wird Verantwortung weggeschoben – auf „die Linken“, „die Altvorderen“, „die Feigen“, „die Anständigen“. Das ist politisch bequem, aber analytisch schwach.
🧠 Argumentative Qualität:
- Starke Rhetorik, aber schwache Beweisführung. Keine Quellen, keine Zahlen, keine überprüfbaren Beispiele, sondern nur verallgemeinernde Behauptungen.
- Es fehlt jede Differenzierung innerhalb des politischen Spektrums. Die Realität ist komplexer: Es gibt keine homogene „Linke“, genauso wenig wie eine geschlossene „konservative Elite“, die sich bewusst rausgehalten hätte.
- Die Kritik an Cancel Culture, moralischer Überhöhung, Identitätspolitik oder institutioneller Schieflage ist teils berechtigt, wird hier aber in ein ideologisches Korsett gezwängt, das nur Wut und Polarisierung produziert.
🗣️ Sprachstil und Wirkung:
- Der Ton ist wütend, anklagend, emotional – wirkt wie ein Manifest, nicht wie eine Analyse.
- Die Sprache ist einprägsam, pointiert, gezielt provokant – ideal für Plattformen wie X/Twitter.
- Viele Formulierungen sind pauschal, tendenziös, suggestiv, z. B. „Danke für nichts“ oder „Justiz verurteilt Posts härter als Vergewaltiger“ – das hat starke Wirkung, aber auch manipulativen Charakter.
🧱 Realitätsgehalt:
- Wahr ist: Es gibt gesellschaftliche Verschiebungen, Moralisierung in der Debatte, Übergriffigkeit durch staatlich oder institutionell verankerte Identitätspolitik. Auch konservative Stimmen werden heute oft reflexhaft diskreditiert.
- Aber falsch ist: die Vorstellung, dies sei alles das Ergebnis eines durchgeplanten, „linken“ Masterplans. Gesellschaften verändern sich – durch ökonomische, technologische, kulturelle und demografische Prozesse. Nicht durch eine heimliche Umerziehung.
- Es ist schlicht eine verkürzte Welterklärung, die komplexe Entwicklungen auf einen Sündenbock zurückführt – das ist populistisch, nicht intellektuell redlich.
⚖️ Fazit – Ehrlich und nüchtern:
Dieser Text ist ein Stück konservativer Frustliteratur. Er kanalisiert berechtigte Kritik an Überideologisierung und normativer Übergriffigkeit – aber macht das in einer Weise, die die gesellschaftliche Spaltung eher verstärkt als heilt. Wer ihn liest, fühlt sich entweder bestätigt oder angegriffen. Dazwischen ist kaum Platz.
Er ist symptomatisch für eine Zeit, in der viele Menschen das Gefühl haben, ihre Sprache, ihre Werte und ihr Weltbild würden nicht mehr zählen. Das muss ernst genommen werden – aber nicht mit weiteren Vereinfachungen.
Wenn man aus diesem Text etwas mitnehmen will, dann:
- Konservative müssen gesellschaftspolitisch aktiver sein, wenn sie mitgestalten wollen.
- Aber das geht nicht mit Wut und Opferhaltung, sondern nur mit eigener Haltung, Sprache, Mut und Differenzierungsfähigkeit.
Kurz gesagt:
Der Text trifft einen Nerv – aber nicht den Verstand.




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