…Nicht, weil irgendwer uns dazu aufgerufen hätte.
Sondern weil man irgendwann merkt, dass Sitzenbleiben keine Option mehr ist.
2026 wird kein Jahr der großen Erweckung. Es wird auch kein Jahr der Revolution. Es wird das Jahr, in dem viele zum ersten Mal begreifen, dass Stillhalten kein Zeichen von Vernunft ist, sondern von Erschöpfung. Dass Schweigen nicht mehr klug wirkt, sondern bequem. Und dass „Ich kann ja eh nichts ändern“ der vielleicht erfolgreichste Satz der letzten zwanzig Jahre war – nicht weil er stimmt, sondern weil er entwaffnet.
Auf die Straße zu gehen heißt nicht, Barrikaden zu bauen. Es heißt, sich wieder sichtbar zu machen. Den eigenen Körper aus der Komfortzone zu holen, aus der Kommentarspalte, aus dem privaten Frust. Nicht um zu randalieren, sondern um zu zeigen: Wir sind noch da. Wir denken noch. Wir lassen uns nicht vollständig sedieren.
2026 wird kein Aufstand der Lauten. Es wird – wenn überhaupt – ein leiser, unbequemer Gang derer, die verstanden haben, dass Demokratie nicht dort endet, wo man alle vier Jahre ein Kreuz setzt. Sondern dort beginnt, wo man merkt, dass Entscheidungen längst ohne einen getroffen werden. Und dass Wegschauen kein politischer Akt ist, sondern eine Kapitulation.
Man wird sagen, es sei gefährlich. Man wird sagen, es sei „falsch gerahmt“, „missverständlich“, „anschlussfähig für die Falschen“. Man wird warnen, moralisieren, pathologisieren. Genau wie immer. Genau wie bei jeder Bewegung, die nicht brav in den vorgesehenen Kanälen bleibt.
Aber vielleicht ist genau das der Punkt:
Dass man nicht mehr wartet, bis Protest genehm ist.
Dass man nicht mehr fragt, ob der Zeitpunkt passt.
Dass man aufhört, sich erklären zu wollen, während andere längst handeln.
Auf die Straße 2026 heißt nicht Chaos.
Es heißt Präsenz.
Es heißt: Wir sind noch da – und wir lassen uns nicht vollständig verwalten.
Nicht laut. Nicht heroisch.
Aber sichtbar. Und das reicht manchmal schon, um etwas ins Wanken zu bringen.


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