Müde vom Erklären, vom Rechtfertigen, vom permanenten Gefühl, gegen eine Wand aus Floskeln, Phrasen und politischem Theater zu reden. Ein Jahr, in dem zu oft Lautstärke mit Wahrheit verwechselt wurde und Haltung mit Haltungslosigkeit.

Und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – gibt es Grund, den Kopf nicht hängen zu lassen.

Denn wer heute noch zweifelt, wer noch fragt, wer nicht alles schluckt, was ihm serviert wird, der gehört nicht zu den Verlierern dieser Zeit. Im Gegenteil. Der gehört zu denen, die noch bei klarem Verstand sind. Zu denen, die spüren, dass etwas nicht stimmt, auch wenn man ihnen einreden will, alles sei alternativlos, vernünftig oder „ohne Alternative“.

Hoffnung heißt in diesen Tagen nicht, auf bessere Politiker zu warten. Hoffnung heißt, sich nicht abstumpfen zu lassen. Nicht alles hinzunehmen, nur weil es laut genug wiederholt wird. Hoffnung heißt, sich die eigene Urteilskraft zu bewahren – und den Mut, sie auch zu benutzen.

Vielleicht beginnt Veränderung genau dort: in der stillen Weigerung, sich emotional erpressen zu lassen. Im Nein zum Daueralarm. Im Ja zur eigenen Wahrnehmung. In Gesprächen, die ehrlich sind, unbequem, aber menschlich. In kleinen Gemeinschaften, die sich nicht spalten lassen. In Menschen, die noch unterscheiden können zwischen Meinung und Manipulation.

Für das kommende Jahr wünschen wir allen, die noch selbst denken, den Mut zur Klarheit, die Kraft zur Gelassenheit und den Humor, den man braucht, um in verrückten Zeiten nicht verrückt zu werden. Möge 2026 weniger Lärm bringen – und mehr Wahrheit. Weniger Parolen – und mehr Haltung. Weniger Angst – und mehr Rückgrat.

Bleibt wach. Bleibt menschlich. Und vor allem: Lasst euch nicht einreden, dass Zweifel und Kritik Schwäche sei. Oft ist er das letzte Zeichen von Verstand.

Alles Gute und Frieden für das neue Jahr.

Hinterlasse einen Kommentar