(Kurt Tucholsky)
Es gibt Momente, in denen Anpassung bequemer wäre. In denen Schweigen einfacher scheint als Widerspruch. Und genau dort beginnt die eigentliche Prüfung.
Nicht im Mitlaufen, nicht im Applaus, nicht im bequemen Rückzug ins Private – sondern im klaren, unbequemen Nein.
Tucholskys Satz ist kein literarisches Ornament, er ist eine Zumutung. Er erinnert daran, dass Haltung nicht dort entsteht, wo sie Applaus bekommt, sondern wo sie kostet: Anerkennung, Sicherheit, manchmal sogar Zugehörigkeit. Wer seiner Zeit widerspricht, stellt sich gegen den Strom der Bequemlichkeit, gegen das wohlige Gefühl, auf der „richtigen Seite“ zu stehen, nur weil viele dort stehen.
Das laute Nein ist kein Akt der Rebellion um der Rebellion willen. Es ist der letzte Rest innerer Souveränität, wenn Anpassung zur Norm geworden ist. Es ist das Beharren darauf, dass Gewissen nicht verhandelbar ist – auch dann nicht, wenn Schweigen belohnt wird und Widerspruch einsam macht.
In Zeiten, in denen Konformität als Tugend verkauft wird, ist das Nein kein Trotz.


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