– ungekürzt, ungefiltert, unerträglich ehrlich.


Selektives Dating im Jahr 2026 ist kein Lifestyle mehr.
Es ist Überlebenstraining.

Früher fragte man: „Hund, Katze, Meer oder Berge?“
Heute fragt man: Hast du noch ein Rückgrat?
Denkst du selbst oder recycelst du den Feed?
Hältst du Widerspruch aus oder kippst du beim ersten Hauch um wie ein Ikea-Regal?
Stehst du zu dir, wenn andere wegschauen?
Und weißt du wenigstens, was Bindungssystem, Reflexion und Nervensystem bedeuten?

Denn die Norm ist mittlerweile eine Bevölkerung, die sich einrichtet wie im Möbelhaus – nur ohne Aufbauanleitung.

Beziehungen scheitern, weil die meisten eine Partnerschaft wie Netflix behandeln: jederzeit kündbar, werbefrei vom echten Leben, Skip-Intro für Probleme, bequem, klimatisiert, ohne Verantwortung.
Wenn es schwierig wird?
Abschalten.
Ghosten.
Blockieren.
Nächstes Profil.
Nächster Reiz.
Nächstes Ego-Bonbon.

Partnerschaft ist kein Bauwerk mehr.
Sie wurde zur Abooption „solange es Spaß macht und leicht ist“.
Ernsthaftigkeit, Arbeit oder Reparieren statt Wegwerfen klingen heute so exotisch wie handgeschriebene Briefe.

Politik & Gesellschaft:
Wir leben in einem Land, in dem Menschen glauben, politisch mündig zu sein, weil sie Likes verteilen und Memes posten.
Während in Wahrheit Krieg wieder kalkulierbar wird.
Energieabhängigkeit schöngerechnet wird.
Demokratie innen zerfällt.
Finanzielle Zukunft zur Jackpot-losen Lotterie verkommt.
Aber hey – Bundesliga läuft.
Der neueste Hashtag brennt.
Und jeder fühlt sich informiert.

Staatsbürger?
Kaum noch sichtbar.
Konsumenten mit Wahlrecht?
Überall.

Der Trick dahinter ist simpel:
Empörung in Homöopathie.
Bedrohung permanent, aber nie greifbar.
Überlastung des Einzelnen.
Ablenkung als Betäubung.

Dann das alte Spiel: teile und herrsche.
Links gegen rechts.
Stadt gegen Land.
Mieter gegen Vermieter.
Alt gegen jung.
Mann gegen Frau.
Arm gegen weniger arm.

Künstliche Risse.
Damit niemand fragt: Wer profitiert?

Denn wenn Bürger sich gegenseitig zerlegen, müssen sie nicht mehr diskutieren, organisieren, kontrollieren, fordern oder Verantwortung übernehmen.
Sie sind ausgelastet – mit sich selbst.

Brot & Spiele funktionieren heute besser denn je.
„Brot“ heißt kaufen, obwohl nichts bleibt.
Konsum als Belohnung für Erschöpfung.
„Spiele“ heißen Reality-TV ohne Realität, Social-Media-Schlachten ohne Konsequenzen, Pornofluten statt Partnerschaft, Influencer statt Vorbilder.

Und dann wundern sich alle, warum niemand mehr fragt, warum es überall brennt.

Die Bevölkerung schläft nicht.
Sie funktioniert im Halbschlaf.
Sie rennt, ackert, konsumiert, scrollt, postet, jammert.
Aber denken?
Fühlen?
Handeln?
Sich wehren?
Das braucht Kraft.
Und die ist weg.

Zurück zum Dating:
Wenn du heute jemanden willst, der mit dir steht, wenn die Sirenen heulen, findest du nicht viele.
Nicht, weil Menschen böse sind.
Sondern weil sie nicht einmal merken, dass draußen der Sturm tobt.
Sie frieren und fragen sich, warum es zieht.
Dass das Dach schon wackelt, kommt ihnen gar nicht in den Sinn.

Niemand braucht einen Partner, der erst nach dem Einsturz fragt:
„Warum hast du mich nicht geweckt?“
Man sucht jemanden, der wach ist, sieht, was passiert, weiß, was auf dem Spiel steht – und trotzdem bleibt.

Die Zeit für romantischen Blindflug ist vorbei.
Wer schläft, fällt.
Wer schweigt, macht mit.
Wer steht, steht oft allein.

Aber genau das braucht’s:
Menschen, die stehen.
Nicht zustimmen.
Nicht wegducken.
Nicht laufen, wenn Nähe Arbeit wird.

Denn niemand hat noch Kraft, inneres Leben in Menschen zu pumpen, die ohnehin im Standby hängen.
Und ja, das schmerzt.
Aber Schmerzen sind der letzte Wecker, den diese Gesellschaft wahrnimmt.

Warum das alles so gut greift?
Weil das System genau diesen Menschentyp erzeugt.
Einen, bei dem Beziehungen zwangsläufig scheitern.
Denn ein Volk, das ringt, wächst.
Eins, das sich verbindet, wird gefährlich.
Eins, das Verantwortung übernimmt, stellt Fragen.
Und zu viele Fragen bringen Systeme ins Wanken.

Darum braucht es erschöpfte Individuen, verkümmerte Bindung, Dauerstress, Infantilisierung und Beziehungen, die implodieren, bevor sie tragfähig werden.

Denn stabile Partnerschaften bilden Netzwerke.
Denken langfristig.
Schaffen Strukturen.
Schützen Menschen.
Und lassen sich schlechter steuern.

Wer aber ständig datet, flüchtet, blockt, optimiert und sich neu erfindet, hat keine Reserven für Fragen wie:
„Warum läuft Außenpolitik wie ein Rüstungsprogramm im Autopilot?“
„Wer verdient an der Dauerpanik?“
„Warum wirkt Politik wie Verwaltung und nicht wie Vertretung?“

Kurz:
Wenn man Gesellschaft klein halten will, zerstört man zuerst die Fähigkeit zu echten Beziehungen.
Nicht mit Gewalt, sondern mit Ablenkung:
Unendliche Optionen, Ersatzbefriedigung, Sinnsurrogate.

So entsteht ein Volk, das glaubt, frei zu sein, während es im Kreis rennt –
damit beschäftigt, sich selbst zu suchen, zu optimieren, zu verlieren.
Und niemals zu merken, dass ihm die Fähigkeit fehlt, gemeinsam etwas zu verändern.

Und wenn’s schief läuft, zeigt man noch mit dem Finger aufeinander –
während oben jemand lächelt und sagt:
„Läuft doch.“

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