Freitagabend, irgendwo zwischen Flucht und Betäubung

Gerade jetzt, in diesem Moment, zerstreuen sich Millionen von Menschen in tausend kleine Richtungen und folgen doch demselben Muster, während einige an klebrigen Bartischen sitzen, das Glas halb leer und der Blick halb wach, und über Dinge reden, die sie nicht interessieren, nur um die Stille zu vermeiden, die sie mit sich selbst konfrontieren würde, während andere in fremden Betten liegen und für ein paar Stunden Nähe suchen, die nichts fordert und nichts verspricht, weil echte Nähe immer auch Wahrheit bedeutet und Wahrheit unbequem ist.

Wieder andere sitzen im flackernden Licht eines Kinos oder vor Bildschirmen, die ihnen das Gefühl geben, irgendwo dabei zu sein, während ihr eigenes Leben auf Pause steht, während viele unter Neonlicht in Fast-Food-Läden stehen, mechanisch kauen, mechanisch scrollen, mechanisch denken – Körper anwesend, Geist ausgelagert – und manche chemische Schleier über ihr Nervensystem werfen, nicht aus Freude, sondern aus dem simplen Wunsch heraus, für ein paar Stunden nichts fühlen, nichts denken, nichts entscheiden zu müssen.

Nicht, weil sie schwach sind, sondern weil sie müde sind – müde vom inneren Widerspruch zwischen dem Leben, das sie führen, und dem Leben, von dem sie spüren, dass es eigentlich ihres wäre, und die meisten wissen es und spüren es in den stillen Momenten am Morgen, wenn alles kurz klar ist, bevor der Lärm wieder beginnt, aber sie haben gelernt weiterzumachen, sich abzulenken, sich zu beschäftigen, sich zu betäuben, nicht aus Bosheit, sondern aus Gewohnheit und aus Angst vor der Leere, die entsteht, wenn man die Ablenkung abstellt und sich selbst begegnet.

Und so wiederholt sich der Kreislauf Woche für Woche, Jahr für Jahr: Arbeiten, Konsumieren, Ablenken, Schlafen, Wiederholen – nicht, weil niemand ausbrechen könnte, sondern weil Ausbrechen Verantwortung bedeutet, und Verantwortung beginnt immer mit einem einfachen, aber gefährlichen Moment: still zu werden und ehrlich zu sehen, wo man wirklich steht.

Hinterlasse einen Kommentar

Verwandte Beiträge