Die neuen Herren dieser Welt erhoffen sich vom ungehemmten Einsatz der Technik eine radikale Umwandlung aller Lebensbereiche…
… Dieser Ansatz ist nicht ganz neu.
Samstag, 07. Februar 2026
Foto: High Fi/Shutterstock.com
Wir sträuben uns noch ein wenig gegen diese unbequeme Erkenntnis. Aber früher oder später wird uns die Realität einholen: Wir Menschen sind Auslaufmodelle. Kaum noch ein Argument spricht dafür, für wichtige Aufgaben Menschen zu verwenden — da doch die Vorzüge von Maschinen unmittelbar einleuchten. Effizient und potenziell allwissend, nie müde, nie wehleidig, steuer- und programmierbar durch diejenigen, die sie zu bedienen wissen. Filme und Serien wie „Terminator“, „Matrix“ oder „Star Trek“ haben Schreckensvisionen einer umfassenden Beherrschung der lebendigen Welt durch Maschinen entworfen. Der größte Unterschied zwischen Fiktion und Realität besteht aber darin, dass wir echten Menschen gegen die Maschinen kaum aufbegehren, uns ihnen vielmehr willig ausliefern, indem wir ihnen in immer mehr Lebensbereichen Macht über uns zugestehen. Der Autor widmet sich in diesem Beitrag der Geschichte und Kulturgeschichte der Technokratie, speziell seit dem frühen 20. Jahrhundert. Interessanterweise handelt es sich um eine U- beziehungsweise Dystopie, die nicht allein der westliche Kapitalismus hervorgebracht hat. Auch im Faschismus und im russischen Kommunismus gab es Experimente, die auf eine Herrschaft der Maschinen und der Technik-Eliten hinausliefen. Als störend galten dabei immer Demokratie und Menschenrechte. Diese dunkle Historie sollte man kennen, will man der Gefahr einer technokratischen Eskalation in naher Zukunft entgegentreten — denn die Werkzeug der Beherrschung wurden in den letzten Jahren derart geschärft, dass einem beim Gedanken an deren Missbrauch durch destruktive Kräfte angst und bange werden kann.
von Hermann Ploppa
Die Ereignisse überschlagen sich.
Kaum haben wir uns davon erholt, dass man uns zwingen wollte, eine mäßig erforschte Substanz injiziert zu bekommen — was wir noch gerade eben abwenden konnten. Zumindest für uns selber. Da kommen auch schon die nächsten Tabubrüche in ungekannter Beschleunigung und Heftigkeit. Ein neues Ministerium für Regierungseffizienz (mit dem Kürzel DOGE) entwendet sensible Daten, die eigentlich strengstem Datenschutz unterliegen, aus dem Gesundheitsministerium der USA und übergibt sie der privaten Firma Palantir (1).
US-Präsident Donald Trump verlangt derweil in rüpelhaftester Manier die Übergabe der dänischen Großinsel Grönland an sein Imperium. In Grönland wollen Mitglieder seines Clans privatisierte Experimentalflächen schaffen. Ohne staatliche Kontrolle. Ohne irgendwelche störenden Gesetze zum Naturschutz beachten zu müssen. Um Geo-Engineering betreiben zu können. Hier soll es dann keine demokratische Kontrolle mehr geben. Stattdessen regiert ein CEO in der Sonderwirtschaftszone Grönland (2).
Nicht mehr in Planung, sondern bereits im Aufbau befindet sich die Sonderwirtschaftszone Gaza. Wenn die Trümmer und die Leichname der palästinensischen Zivilisation weggeräumt sind, soll hier eine voll digitalisierte Zone entstehen mit acht Smart Cities, einer Tesla-Fabrik und einem voll digitalisierten Mittelmeerhafen. Dazu ein Luxus-Ressort für die Schönen und die Reichen dieser Welt (3). Auf dem ganzen Planeten schießen bereits Privatstädte wie Pilze aus dem Boden. Befreit von demokratischer Kontrolle schalten und walten hier Investoren von teilweise dubioser Herkunft. Alle diese Experimente vereint der Grundsatz, dass sich neben einem ungehemmten Profitprinzip hier auch eine komplett entfesselte Technokratie austoben kann. Technokratie heißt: Die Technik gilt als oberstes Prinzip. Technik ist das Maß aller Dinge. Der Mensch ist voller Mängel im Vergleich zur Maschine. Deshalb muss der Mensch an die Maschine angepasst werden.
Die Mega-Maschine verschlingt die Menschen und unterwirft sie ihrem Takt. Der Mensch ist aus dieser Perspektive mangelhaft. Während die Maschine sieben Tage in der Woche vierundzwanzig Stunden am Tag klaglos arbeitet, ist der Mensch immer mal wieder krank, hat Depressionen oder ist einfach nur müde. Das passiert der Maschine nicht — vorausgesetzt, sie wird immer ausreichend mit Energie und Ersatzteilen gefüttert.
Weiterlesen: https://www.manova.news/artikel/maschinen-an-die-macht-2
Maschinen an die Macht? Nein. Menschen geben sie ab.
Die Vorstellung, dass Maschinen die Macht übernehmen, wirkt auf den ersten Blick wie Science-Fiction, wie eine düstere Mischung aus „Matrix“ und „Terminator“. Doch die eigentliche Entwicklung verläuft anders, leiser, unspektakulärer – und gerade deshalb gefährlicher. Maschinen haben keine Interessen. Sie planen nichts, sie wollen nichts, sie entscheiden nichts aus eigenem Antrieb. Was sich verändert, ist etwas anderes: Menschen übertragen ihnen zunehmend Funktionen, Entscheidungen und Kontrolle, weil es schneller geht, effizienter ist und bequemer erscheint. Macht wird nicht genommen. Sie wird abgegeben.
Technokratie ist kein neues Phänomen. Schon im frühen 20. Jahrhundert entstand die Idee, gesellschaftliche Prozesse nicht mehr durch politische Auseinandersetzung und demokratische Willensbildung zu steuern, sondern durch technische Systeme und Experten, die angeblich rationaler, objektiver und effizienter handeln als fehleranfällige Menschen. Diese Logik ist verführerisch, weil sie ein echtes Problem adressiert: Menschen sind widersprüchlich, emotional, langsam und oft irrational. Maschinen dagegen sind konsistent, berechenbar und skalierbar. Doch genau darin liegt der Kern der Verschiebung. Systeme ersetzen nicht den Menschen als Wesen, sondern den Menschen als Entscheidungsträger.
Heute entscheidet Software darüber, welche Informationen sichtbar sind und welche verschwinden, welche Kredite vergeben werden und welche nicht, welche Inhalte Reichweite erhalten und welche unsichtbar bleiben. Nicht als bewusster Akt politischer Machtergreifung, sondern als Folge technischer Infrastruktur, die sich als effizientestes Mittel zur Organisation komplexer Gesellschaften etabliert hat. Wer diese Systeme betreibt, kontrolliert die Bedingungen, unter denen alle anderen handeln. Das ist keine Verschwörung, sondern eine strukturelle Realität.
Der entscheidende Punkt wird dabei oft übersehen: Die größte Gefahr geht nicht von der Maschine aus, sondern von der menschlichen Bereitschaft, Verantwortung abzugeben. Nicht aus Zwang, sondern aus Komfort. Systeme nehmen uns Entscheidungen ab, reduzieren Komplexität und schaffen scheinbare Sicherheit. Navigation ersetzt Orientierung, Algorithmen ersetzen Urteilskraft, digitale Systeme ersetzen Erfahrung. Mit jeder delegierten Entscheidung schrumpft der Raum eigener Verantwortung.
Technologie selbst ist neutral. Sie verstärkt nur die Struktur, in die sie eingebettet ist. In den Händen dezentraler, verantwortlicher Akteure kann sie Freiheit erweitern. In zentralisierten Strukturen konzentriert sie Macht. Nicht weil sie es will, sondern weil sie es ermöglicht. Der Unterschied liegt nicht in der Maschine, sondern in der Organisation ihrer Kontrolle.
Die eigentliche Verschiebung unserer Zeit besteht deshalb nicht darin, dass Maschinen die Macht übernehmen, sondern darin, dass Menschen ihre eigene Rolle verändern. Der Mensch wird vom Handelnden zum Nutzer, vom Entscheider zum Bediener, vom Subjekt zum Bestandteil eines Systems, dessen Logik er selbst nicht mehr vollständig überblickt. Das ist kein plötzlicher Umbruch, sondern ein schleichender Prozess, der sich aus Effizienz, Skalierung und Bequemlichkeit speist.
Die zentrale Frage lautet daher nicht, ob Maschinen herrschen werden. Sie lautet, ob der Mensch bereit ist, die Verantwortung für seine eigene Handlungsfähigkeit zu behalten. Denn Systeme übernehmen nur so viel Kontrolle, wie man ihnen überlässt. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.




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