Selbstverrat mit Hintergrundmusik – Die angenehm dekorierte Form des Wegsehens

15 März 2026

Hat es der hiesigen Bevölkerung eigentlich endgültig die Sprache verschlagen? Oder ist es einfach bequemer, kurz vor dem nächsten Wochenende wieder in den üblichen Betäubungsmodus umzuschalten, während ringsum alles weiter entgleist? Partys, Feiern, Events, Ablenkung, Konsum, ein bisschen Haltung für die Außendarstellung, ein bisschen Weggucken für den inneren Frieden und bloß nicht zu lange auf die Realität schauen, weil sie stört.

Genau darin liegt doch das Elend dieser Zeit. Nicht nur in dem, was geschieht, sondern in der erbärmlichen Bereitschaft, es mit Unterhaltung zu übertönen. Man verliert tatsächlich langsam jedes Verständnis für diese sogenannten Tugenden einer Gesellschaft, die sich selbst für modern hält, aber in Wahrheit an ihrer eigenen Bequemlichkeit verfault.

Eine Gesellschaft, die lieber eskaliert feiert als klar denkt, lieber konsumiert als begreift, lieber verdrängt als handelt, ist nicht frei, nicht aufgeklärt und schon gar nicht reif. Sie ist degeneriert im eigentlichen Sinn: entkernt, enthaltslos, reizgesteuert und moralisch erschöpft.

Während anderswo Menschen sterben, Gesellschaften zerlegt, Wahrheiten verdreht und Machtblöcke in Stellung gebracht werden, fragt man sich hierzulande vor allem, wo am Wochenende noch was los ist. Das ist keine Normalität mehr. Das ist kollektive Flucht. Und wer das immer noch für Lebenskunst hält, hat nicht verstanden, wie tief diese Gesellschaft bereits im Selbstverrat steckt.

Feiern, trinken, tanzen, verdrängen, macht nur. Aber nennt es nicht Leben, nennt es nicht Freiheit und schon gar nicht Verantwortung. Es ist nur die angenehm dekorierte Form des Wegsehens. Und aus genau diesem Stoff besteht die Passivität, auf die jedes verkommene System baut.

Wenn euch das weh tut, dann deshalb, weil es wahr ist. Und ja, es soll weh tun.

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